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Wie COVID-19 die Entwicklung hin zur Multicloud beschleunigt hat und was dies für Unternehmen bedeutet

Unternehmen möchten Multicloud-Strategien in ihren Normalbetrieb aufnehmen.

Matt Stoyka / Rackspace

Beginnen wir mit den Grundlagen: Warum nutzen immer mehr Unternehmen Cloud- oder Multicloud-Modelle? Für die meisten ist der Beweggrund, dass sie Zugang zu einer flexiblen, skalierbaren und sicheren Infrastruktur haben, ohne dass dadurch zusätzliche betriebliche Belastungen entstehen.

Der Übergang zur Cloud stellt jedoch eine große Verpflichtung dar. Und es ist nicht einfach. Da wären Dinge wie das Design, die Migration in die Cloud und die Implementierung zu berücksichtigen. Hinzu kommen dann noch die erforderlichen und kontinuierlichen Verwaltungsaufgaben, die Support-Leistungen und die Optimierungen nach der Migration. All das ist der Grund, weshalb viele Unternehmen vor der Pandemie mit Ihren Rechenzentren nicht mehr wirklich vorankamen.

Schon in den ersten Tagen der Pandemie stellten Unternehmen fest, dass Sie neue Arbeitsmethoden, Lernprozesse, Shopping-Möglichkeiten und Wege für die Umsetzung betrieblicher Abläufe am besten mithilfe von Strukturen außerhalb ihres eigenen Rechenzentrums implementieren konnten. Cloud-Infrastrukturen bewähren sich mehr und mehr auch für die Arbeit unter enormem Druck. Aktuelle Umfragen haben ergeben, dass Unternehmen in der Cloud mehr sehen als einfach nur eine Möglichkeit, um eine Krise zu meistern.

Laut der Umfrage zum Thema „State of the Cloud“ von Flexera gab über die Hälfte der befragten Organisationen an, dass sie davon ausgehen, Cloud-Systeme noch viel intensiver zu nutzen. Und warum? Weil sie sich während der COVID-19-Krise so gut bewährt haben. Aber um das Potenzial der Cloud voll ausschöpfen zu können, benötigt es mehr, als einfach nur Workloads zu verschieben. Man muss sicherstellen, dass die richtigen Workloads in die richtige Umgebung verlagert werden, um maximale Leistung und Effizienz zu erreichen.

Unternehmen, die bisher noch zögerlich gewesen sind, sollten jetzt handeln. Denn wenn sie ihre veralteten Arbeitsweisen nicht überdenken, verpassen sie eine gute Chance, um sich weiterzuentwickeln und effizienter zu werden. Man sollte jedoch nicht planlos versuchen, unmittelbare Probleme zu lösen. Ein solcher Ansatz könnte negative Auswirkungen haben. Vielmehr muss man sich die entsprechenden Prozesse vor Augen führen.

Selektiv und bewusst handeln

Klar, es geht natürlich darum, schnell zu agieren. Dennoch müssen Unternehmen ganz bewusst und selektiv entscheiden, wie und wohin sie ihre Ressourcen verschieben möchten. Nicht alle Anwendungen und Workloads sind gleich. Einige von ihnen sind statisch, und in solchen Fällen eignet sich eine private Cloud am besten. Andere Unternehmen müssen viele ihrer Abläufe sehr schnell skalieren. In diesen Fällen wäre die Public Cloud die beste Wahl. Für einen erfolgreichen Übergang ist also der erste Schritt, dass man diese Bewertungen durchführt und entsprechende Entscheidungen trifft.

Unternehmen, die Hals über Kopf in die Cloud gewechselt sind, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Pandemie zu meistern, müssen jetzt einen nächsten wichtigen Schritt gehen. Sie müssen ihre Workloads neu überdenken, um herauszufinden, ob die Umgebung, die sie aktuell nutzen, auch wirklich am besten für ihre Bedürfnisse geeignet ist. Angenommen ein Unternehmen hat vor einigen Monaten mehrere seiner Anwendungen und Daten in eine private Cloud verschoben. Jetzt da sich die Dinge normalisieren, stellt das Unternehmen fest, dass diese ganzen Ressourcen viel effektiver in einer Public Cloud oder gar in einer Multicloud-Umgebung aufgehoben wären.

Laut Flexera-Bericht gibt es eine beträchtliche Anzahl an Unternehmen, die derzeit vier oder mehr Clouds verwenden. Daher gehe ich von einem Aufwärtstrend bei der Nutzung von Saas-Produkten aus – also Cloud-basierte Produktivitäts-Apps, die Homeoffice und Unterricht von zu Hause ermöglichen. Dabei werden Multicloud-Strukturen zum Ideal. Der Grund: Inmitten des Drucks seitens der Konkurrenz und der fortwährenden Unsicherheit bietet die Multicloud Unternehmen einen entscheidenden Vorteil – sie können immer die passende Cloud für den entsprechenden Workload einsetzen.

Dann gibt es da noch ein weiteres Szenario, das während der Pandemie relativ häufig auftrat. Wegen der Quarantänemaßnahmen und Ausgangssperren hatten viele Unternehmen mit Rechenzentren oder veralteten ERP-Anwendungen Probleme damit, Zugang zu diesen Anwendungen zu erhalten. Das Problem war, dass die zuständigen Mitarbeiter nicht einfach in das Unternehmensgebäude gehen konnten, um die Systeme zu warten. Diese Tatsache in Kombination mit den arbeitsaufwändigen Verwaltungsaufgaben hat dazu geführt, dass viele die Vorteile erkannt haben, die eine Cloud für die langfristige Unterstützung der Geschäftskontinuität hat.

Diese Erfahrungen im Zusammenhang mit der Pandemie werden Unternehmen mehr und mehr dazu antreiben, ihren Übergang hin zur Cloud weiter voranzubringen. Doch während sie versuchen, den Übergang so schnell wie möglich umzusetzen, sehe ich Herausforderungen aufgrund von mangelndem Fachwissen und zu wenigen Ressourcen.

  • Kompetenzlücken: Unternehmen aus Branchen, die traditionell nicht unbedingt viel mit Cloud-Technologie am Hut hatten oder für die die Anforderungen im Bereich Sicherheit und Governance sehr hoch sind, stehen häufig vor dem Problem, dass sie intern nicht genügend Expertise haben. Diese ist jedoch erforderlich, um Multicloud-Umgebungen auf Unternehmensebene zu verwalten und zu betreiben oder um überhaupt erst zu einer Cloud-Lösung überzugehen. Wenn man dann sehr schnell versucht, Mitarbeiter umzuschulen oder neue Mitarbeiter einzustellen, kann dies dazu führen, dass Projekte langsamer umgesetzt werden und dass es aufgrund von mangelnder Erfahrung zu Fehlern kommt.
  • Fehlende Ressourcen: Unternehmen, die zwar über die notwendige Expertise verfügen, besitzen womöglich trotzdem nicht die richtige Infrastruktur, um die Migration in die Cloud sowie Sicherheits- und Optimierungsmaßnahmen auszuführen, die erforderlich sind, um im Rahmen des gewünschten Zeitfensters erfolgreich zu sein. Jedes Unternehmen hat gewisse Anwendungen, die in Krisenzeiten unbedingt an die Cloud angepasst werden müssen. Oftmals besitzt das Unternehmen jedoch nicht die benötigten Ressourcen, damit eine schnelle Skalierung stattfinden kann.

Und während der COVID-19-Krise kamen diese Lücken zum Vorschein. Das Refactoring einer Anwendung ist nicht einfach. Aber durch den Druck, immer schneller zu werden, müssen Entscheidungsträger ihre Teams motivieren, dass diese schneller auf schwankende Geschäftsbedingungen reagieren können. Durch Multicloud-Umgebungen erhalten Unternehmen eine große Auswahl an Optionen und können sich wenn nötig ganz flexibel an neue Gegebenheiten anpassen.

Der richtige Weg in die Cloud – gerade wenn die Zeit drängt

Damit der Übergang schnell und effizient ablaufen kann, verlagern Sie die Methoden für operative Spitzenleistung, Due Diligence und Governance, die bisher auf Rechenzentren angewendet wurden, einfach auf die Cloud. Ihre Entscheidungen sollten von Ihren Anforderungen bezüglich Compliance, Sicherheit und Workload-Leistung geleitet werden. Für die meisten Unternehmen kann damit eine Multicloud-Lösung gemeint sein. Eine einzelne Cloud mag vielleicht leichter zu verwalten sein, es stellt sich jedoch die Frage, ob Sie so auch Ihre gewünschten Ziele erreichen können. Oder gehen damit auch noch andere inhärente Risiken einher – wie Beschränkungen bezüglich Sicherheit, Kostenüberschüssen und Leistung?

Mit mehreren Cloud-Lösungen können Sie einzelne Workloads adäquat unterbringen, anstatt zu versuchen, alles irgendwie in eine einzige Plattform zu zwängen, die nicht unbedingt für alle Workloads gleichermaßen geeignet ist. Wenn Unternehmen unbedacht irgendeine Cloud-Lösung implementieren, führt dies dazu, dass die Technologie nicht richtig eingesetzt wird und die Lösungen nicht wirklich an die Bedürfnisse angepasst sind. Die Auswirkungen davon werden bei vielen Unternehmen noch lange nach der COVID-19-Pandemie zu spüren sein. Wenn Unternehmen dagegen in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, rational handeln, dann wird es ihnen gelingen, außerordentliche Kundenerlebnisse bereitzustellen und sich schnell an Krisen anzupassen.

 

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Über den Verfasser

Chief Relationship Officer

Matt Stoyka

Als Chief Relationship Officer von Rackspace ist Matt Stoyka für strategische Partner- und Kooperationsbeziehungen sowie Kundenbeziehungen im gesamten Muttergesellschaftsportfolio von Rackspace verantwortlich. Matt steht zudem an der Spitze der...

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