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Ein Durchbruch in der zehnjährigen Cloud-Ausbildung

Die beste Möglichkeit, um den Talentmangel der Branche zu bewältigen, wäre es, wenn man auf das Qualifikationsdefizit durch die Linse der...

Eric Sakowski / Rackspace

„Wenn ich ein Einhorn brauche, dann kann ich auch einfach zwei Menschen einstellen.“

Das erzählte mir ein Kunde während einer Diskussion, in der es darum ging, wie schwierig es für viele Unternehmen ist, Stellen mit technisch versierten Angestellten im Bereich IT und Cloud zu besetzen.

Was dieser Mangel an Cloud-Computing-Fähigkeiten zu bedeuten hat, wurde bereits umfassend dokumentiert: Wir wissen, welche Kosten er für die Wirtschaft haben könnte, wir kennen auch die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit. Seit Jahren sind wir uns dessen bewusst. Und dennoch tun sich Unternehmen immer noch schwer damit, qualifiziertes Personal einzustellen.

Oft wird hierbei auf das sogenannte Qualifikationsdefizit verwiesen. Aber als jemand, der selbst ein Team aus Einhörnern zusammengestellt hat, würde ich sagen, dass es hier um mehr geht als einfach nur um Qualifikation. Entscheidend ist nämlich auch die Erfahrung. Ich bin der Ansicht, dass die Branche das Defizit viel weniger effektiv bewältigen kann, wenn nur auf die Qualifikationen geachtet wird.

Aufgrund der Weiterentwicklung der Cloud sind viele Unternehmen darauf bedacht, so schnell wie möglich gut zu verwaltende, skalierbare und sichere Clouds oder Cloud-basierte Anwendungen aufzubauen. Und das ist ein äußerst komplexes Unterfangen. Weil die Art, wie Anwendungen entwickelt werden (denken Sie nur an die Container-Technologie), sich immer weiter modernisiert und IT-Teams aus immer weniger Personen bestehen, ist es für Unternehmen unerlässlich, äußerst erfahrene Generalisten zu rekrutieren, die darüber hinaus in der Lage sein müssen, sich zu spezialisieren. Es handelt sich dabei um Menschen, die über ein breites Fachwissen in einem bestimmten Gebiet verfügen, aber sich gleichzeitig auch problemlos in andere verwandte Gebiete einarbeiten können.

Wenn Qualifikationen das Problem sind, geht man in der Branche davon aus, dass Schulungen die Lösung sind. Bisher haben wir aber keine Zertifizierungen angeführt, die der ideale Kandidat besitzen sollte. Warum nicht? Weil man zum Aufbau eines Cloud-basierten Produktionssystems Tausende richtige Entscheidungen treffen muss, um so die beste Systemarchitektur entwickeln zu können. Obwohl Zertifizierungen ein notwendiger Nachweis für bestimmte Qualifikationen sind, erhält man das gewisse Urteilsvermögen nur durch hart erworbene Erfahrung – was einer zehnjährigen Ausbildung gleichkommt.

Wenn wir Erfahrung nun auch berücksichtigen, wird es dann mehr und bessere Lösungen für dieses Defizit geben? Die Erfahrung miteinzubeziehen bedeutet, dass alle Lösungen nur langfristig umgesetzt werden können – Erfahrungen zu sammeln, braucht seine Zeit. Und aus dem Teufelskreis des Talentmangels auszubrechen, ist bereits zu einer langfristigen Herausforderung geworden.

Bevor wir uns mit den möglichen Lösungen beschäftigen, sehen wir uns zunächst an, wo das Erfahrungsdefizit am akutesten ist.

Wie das Erfahrungsdefizit heute aussieht und warum

Für IT-Führungskräfte und ihre Teams ist gleichermaßen entscheidend, ob eine Festplatte den Schwellenwert erreicht, ob ihre Microservices für die Erfordernisse ihrer Ziele verfügbar sind und ob ihre Website Personen zu jeder Zeit die richtigen Informationen anzeigt.

In dieser neuen Welt der modernisierten Entwicklung und Automatisierung von Applikationen spielen Container eine hochaktuelle Rolle. Kubernetes entwickelt sich im Augenblick rasant zur Plattform der ersten Wahl für die Container-Orchestrierung. Die besten Unternehmen nutzen das System, um Hunderte Bereitstellungen pro Tag umzusetzen. Bei großen Unternehmen könnte die Anzahl der täglichen Bereitstellungen in die Tausende gehen.

Da Kubernetes ein neues System ist, gibt es automatisch nur sehr wenige Menschen, die Erfahrung damit haben. Darüber hinaus kreieren Entwickler mit Kubernetes auch ganze Plattformen. Deswegen ist es notwendig, diese Plattformen in ein Ökosystem von Security- und Applikationsmanagement einzubetten, was traditionell eigentlich nicht im Verantwortungsbereich von Entwicklern liegt.

Das Erfahrungsdefizit im Bereich Cloud-Sicherheitsfähigkeiten wird dadurch noch weiter verstärkt. Ursprünglich waren Entwickler nicht verantwortlich für die Sicherheit in den von ihnen erstellten Umgebungen. Seit der Einführung der Cloud erstellen sie jedoch Netzwerke und Infrastrukturen über APIs und behandeln Infrastrukturen beim Erstellen als Code. Aus diesem Grund müssen sie sich ganz genau mit der Sicherheit dieser Infrastruktur auskennen.

Da diese Entwickler zügig auf das Release-Datum hinarbeiten müssen, kommt das Monitoring und die zukünftige Expansion der Plattform oft zu kurz. Dementsprechend sind Menschen mit Erfahrungen in Cloud-Architektur und -Automatisierungen sehr gefragt – insbesondere bei Unternehmen, die mit einer Cloud-Lösung organisch wachsen konnten, nun aber mit der Automatisierung und der Skalierung in ihren veralteten Bereitstellungen zu kämpfen haben.

Das Erfahrungsdefizit überwinden

Diese Erfahrungsdefizite lesen sich wie die übliche Beschreibung einer IT-Führungskraft für den idealen Kandidaten. Zwar bin ich der Ansicht, dass langfristige Lösungen durch Erfahrung erreicht werden können und Qualifikationen eventuell letztendlich den Teufelskreis durchbrechen werden, IT-Führungskräfte müssen aber gleichzeitig auch genau jetzt Stellen besetzen und nicht erst später.

Auf kürzere Sicht ist es grundlegend, ganz genau zu überprüfen, was für Leute im Unternehmen noch fehlen. Ein Systemarchitekt für globale Sicherheit hat beispielsweise eine ganzheitliche Sicht auf Cloud- und Entwicklungsökosysteme.

Jedoch können diese und andere Stellen nur mit ausgesprochener Beharrlichkeit besetzt werden. In der Vergangenheit konnten wir nur alle zwei bis sechs Monate Cloud-Systemarchitekten, die auch Erfahrung mit Containern und Security haben, finden. Dazu sollte noch erwähnt werden, dass zwei interne Personalreferenten und acht externe Agenturen an der Suche nach Kandidaten beteiligt waren.

Wenn das Problem wirklich gelöst werden soll und Führungskräfte der zehnjährigen Ausbildung im Cloud-Bereich einen Schritt voraus sein möchten, müssen sie die richtigen Strategien ausarbeiten. Das sind Strategien, um sowohl den Talentpool der Zukunft zu vergrößern, als auch aus Karrieren Ausbildungen zu machen, die die nächste Generation von IT- und Cloud-Fachleuten durchlaufen wird.

Diese Talent-Pools und Talent-Pipelines aufzubauen und aufrechtzuerhalten, ist wahrscheinlich eine sehr komplexe Aufgabe und wird je nach Unternehmen unterschiedlich sein. Beginnen könnte man zum Beispiel damit, Mitarbeiter am Helpdesk oder Praktikanten zu ermutigen, sich eingehender mit Linux, Windows und AWS auseinanderzusetzen. So bereiten sie sich darauf vor, später im technischen Support zu arbeiten oder Einstiegspositionen als Entwickler zu besetzen. Sie können sich dann unter Anleitung erfahrenerer Kollegen in neue Technologien und Plattformen einarbeiten. Dieser Weiterbildungsprozess könnte sogar noch viel früher beginnen, wenn Unternehmen sich über den Kontakt zu Bildungseinrichtungen noch enger mit ihren Talent-Pools vernetzen.

Die Lösung für qualifizierte, aber in den relevanten Gebieten noch unerfahrene Angestellte umfasst Projekte, in denen die erforderliche Erfahrung systematisch aufgebaut wird. Die gesammelte Erfahrung und das aufgebaute Wissen sollten dann an so viele Mitarbeiter wie möglich weitergegeben werden, damit sie nicht nur in den Händen einiger weniger Personen liegen, die das Unternehmen womöglich irgendwann verlassen werden.

Niemand wird einfach über Nacht zu dem Cloud-Systemarchitekten, nach dem Sie gerade suchen. Wenn man aber die angrenzenden Aufgaben erkennt und Verbindungen zwischen ihnen herstellt sowie sich darauf konzentriert, auf das bereits bestehende Talent in der Branche aufzubauen, ist das eine gute Grundlage für die Zukunft.

Der Ausblick in die Zukunft ist ungewiss – noch

Es sieht nicht danach aus, als ob die Personalbeschaffung im Bereich IT-Services künftig einfacher wird. Weil Hybrid-Cloud-Umgebungen immer mehr an Gewicht gewinnen, können Sie den zehn Jahren Erfahrung mit AWS auch noch Erfahrung im Umgang mit VMware und Kubernetes hinzufügen.

Viele Unternehmen sind gezwungen, zu improvisieren. So kann es vorkommen, dass sie sowohl einen AWS-Experten als auch einen VMware-Experten beschäftigen. Beide gewährleisten dann gemeinsam das korrekte Funktionieren der Systemarchitekturen. Plötzlich blickt mein Kunde, der sich ein Einhorn zusammengestellt hat, ziemlich fortschrittlich in die Zukunft.

Wenn man nicht aufpasst, wird sich das aktuelle Cloud-Erfahrungsdefizit nur noch verschlimmern. Erfahrungen zu sammeln, ist ein langsamer Prozess. Technologien und Unternehmen bewegen sich dagegen schnell voran. Mit jeder neuen Entwicklung wird auch immer mehr Erfahrung verlangt, was die Kluft zwischen Kandidaten in Einstiegspositionen und abgehärteten Veteranen vergrößert.

Ich glaube, der richtige Ansatz ist es, sich auf Generalisten und Menschen, mit breitem Fachwissen sowie der Vielseitigkeit, sich in andere Bereiche einarbeiten zu können, zu konzentrieren. Die besten Systemarchitekten sowie die schnellsten Bereitstellungsprozesse erhalten Sie nicht ohne eine breitgefächerte Wissensgrundlage.

Diese Generalisten zu finden, ist aber ziemlich schwierig. Vielleicht könnte ja die Wirtschaft selbst bessere Wege finden, um sie auszubilden?

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Über den Verfasser

Director of Professional Services Delivery EngineeringEric Sakowski

Eric is a leader and technologist with more than 20 years experience developing and automating apps in various programming languages on a wide variety of platforms for a multitude of market verticals. Throughout his career he’s often been a...

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