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Das Ende traditioneller Infrastructure-As-A-Service-Modelle: So sieht die Zukunft aus

Containerisierung und serverloses Computing prägen die Zukunft im Rechenbereich.

Tolga Tarhan / Rackspace Technology

Anmerkung des Herausgebers:

Dieser Artikel stammt aus der Feder von Tolga Tarhan, dem CTO von Rackspace Technology, und wurde ursprünglich bei Forbes veröffentlicht.

Vor zehn Jahren war der Betrieb virtueller Maschinen (VMs) in der Cloud der letzte Schrei. Er macht die Cloud-Migration relativ einfach: Unternehmen konnten einfach die VMs, die sie bereits auf ihren On-Premise-Servern betrieben, auf Server eines Infrastructure-as-a-Service (IaaS)-Anbieters verschieben. So konnten Unternehmen die Wartung physischer Server abgeben, wurden entlastet und profitierten von mehr Flexibilität und geringeren Kosten.

Heute erstellt aber niemand mehr neue Anwendungen auf der Grundlage von VMs. Stattdessen werden zwei Modelle genutzt, die kostengünstiger, mit geringerem Wartungsaufwand verbunden und skalierbarer sind als VMs: Containerisierung und serverloses Computing. Diese zwei Modelle prägen die Zukunft im Rechenbereich – nicht VMs.

Die Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur hört bei virtuellen Maschinen nicht auf

In der jüngeren IT-Infrastruktur-Geschichte dreht sich alles um Abstraktion. In den 1990ern haben wir noch Anwendungen auf Hardware in physischen Racks betrieben – stellen Sie sich das mal vor! Seitdem wurden Anwendungen zunehmend von Hardware abstrahiert bzw. losgelöst und die Infrastruktur, die Unternehmen zu verwalten hatten, schrumpfte immer weiter.

Das IaaS-Modell mit dem Betrieb von VMs in der Cloud ist da keineswegs der Weisheit letzter Schluss. VMs haben einige wesentliche Nachteile:

  • Auf jeder VM werden verschiedene Betriebssysteme eingesetzt – das führt unvermeidlich zu einer gewissen Ineffizienz. Sogar wenn sie richtig skaliert wurden und die richtige Größe haben, gibt es bei VMs immer viele ungenutzte Serverkapazitäten.
  • Beim Einsatz von VMs sind Unternehmen weiterhin für betriebliche Belange wie Notfallwiederherstellung, hohe Verfügbarkeit und Skalierung sowie Patching und Security verantwortlich.
  • VMs sind nicht besonders flexibel und ihre Funktionsweise variiert je nach Hyperscaler. Somit ist z. B. keine Migration einer auf Microsoft Azure erstellten VM zu AWS oder Google Cloud möglich.

Unternehmen, die nach wie vor eine Cloud-Migration mit VM-Migration planen, sollten sich das zweimal überlegen. Sich jetzt auf ein ineffizientes Modell festzulegen wird künftig fortschrittshemmend wirken. Stattdessen sollten Unternehmen Containerisierung oder ein serverloses Modell in Betracht ziehen – auch wenn dies bedeutende Prozessänderungen erfordert.

Container und serverlose Architekturen reduzieren die betriebliche Belastung und erhöhen die Effizienz

Container sind der nächste Schritt hinsichtlich des Abstraktionstrends. Da mehrere Container auf einem einzigen Betriebssystemkern betrieben werden können, können Ressourcen hier effizienter eingesetzt werden als bei VMs. Die für eine einzige VM erforderliche Infrastruktur reicht für ein Dutzend Container aus.

Aber auch Container haben Nachteile. Sie sind zwar raumeffizienter als VMs, belegen aber trotzdem auch im Ruhezustand Infrastrukturkapazitäten und sorgen so für unnötige Kosten. Unternehmen können diese Kosten auf ein absolutes Minimum reduzieren, indem sie sich für eine serverlose Option entscheiden.

Serverlose Modelle funktionieren am besten bei ereigniszentrischen Anwendungen, d. h. Anwendungen, bei denen der Rechenbedarf durch finite Ereignisse wie z. B. der Zugriff eines Benutzers auf eine Website ausgelöst wird. Bei serverlosen Modellen muss das Unternehmen für Ruhezeiten nichts bezahlen, sondern bekommt nur die Millisekunden Rechenzeit, die zur Anfrageverarbeitung benötigt werden, in Rechnung gestellt. Somit ist eine serverlose Option sehr kostengünstig für Unternehmen, die zunächst ein geringes Volumen haben und den betrieblichen Aufwand beim Hochskalieren von Anwendungen reduzieren möchte.

Einige Tipps für die Weiterentwicklung Ihrer IT-Infrastruktur

Der Wechsel zu Containerisierung oder einem serverlosen Modell erfordert größere Änderungen der Struktur und Prozesse Ihres IT-Teams sowie eine wohlüberlegte Herangehensweise an den Wechsel als solchen.

Einige Tipps für einen erfolgreichen Wechsel hin zu einer modernen IT-Infrastruktur:

Finden Sie heraus, welches Modell für Ihren Anwendungsfall am besten geeignet ist 

Wenn Sie die Möglichkeit haben, zu einem serverlosen Modell zu wechseln, sollten Sie sie nutzen. Dieses IT-Infrastruktur-Modell ist das aktuell effizienteste und zukunftsorientierteste. Serverlose Modelle stellen jedoch ein völlig neues Programmierparadigma dar. Eine Implementierung eines solchen Modells ist folglich nur dann möglich, wenn Ihr Team etwas völlig Neues programmiert.

Container hingegen sind die einfachste Lösung für das Refactoring oder den Plattformwechsel von Anwendungen. Kubernetes, das führende Container-Framework, wird auch von Hyperscalern allgemein akzeptiert. Somit sind Container die ideale Option für die Aufrechterhaltung cloudübergreifender oder hybrider Portabilität: Es können die gleichen Anwendungen on-premise und in der Cloud betrieben werden.

Cloud-nativ denken

Beim Wechsel zu einer modernen IT-Infrastruktur sind Mitarbeiter und Prozesse people ebenso wichtig wie Technologie. Eine traditionelle IT-Infrastrukturverwaltung stützt sich in hohem Maße auf manuelle Point-and-Click-Lösungen. Die Verwaltung einer containerisierten oder serverlosen Infrastruktur ähnelt hingegen eher Software-Engineering: IT-Teams beschreiben mit Code das gewünschte Endergebnis und automatisierte Systeme setzen diese Vorgaben um.

Um das volle Potenzial der Flexibilität und Effizienz einer modernen Infrastruktur ausschöpfen zu können, müssen IT-Teams zu einer sogenannten DevOps-Orientierung wechseln. Dabei werden Vorgehensweisen aus der agilen Software-Entwicklung auf die Infrastrukturverwaltung angewendet. Traditionelle Unternehmens-IT-Teams sind z. B. häufig streng nach Funktionen getrennt. Bei DevOps hingegen wird ein agilerer Ansatz verfolgt, bei dem ein Team die lückenlose Gesamtverantwortung für eine Anwendung trägt. Die Anpassung an eine solche neue Arbeitsweise ist für den Erfolg Ihres Infrastruktur-Wechsels unverzichtbar.

Geschützte Drittanbieter-Lösungen meiden

Es gibt viele Software-Stacks von Drittanbietern, die von sich behaupten, den Wechsel zu Containern oder serverlosen Modellen zu erleichtern. Solche „lückenhaften Abstraktionen“ können jedoch letztlich oft für zusätzliche Arbeitsschritte und Kosten sorgen. Der anfängliche Wechsel ist vielleicht einfacher, doch irgendwann werden Ihre Anforderungen die Fähigkeiten dieser Drittlösungen übersteigen. Besser ist es, von Anfang an auf Drittanbieter zu verzichten und stattdessen Open Source-Lösungen mit aktiven Communitys – z. B. Kubernetes – oder Hyperscaler-Lösungen zu nutzen. Die Lernkurve ist dabei zwar etwas steiler, doch diese Vorgehensweise spart Ihren IT-Teams später viel Zeit.

Nicht alles auf einmal angehen

Sie müssen den Wechsel zu Containern oder einem serverlosen Modell nicht vollständig auf einmal vollziehen – das ist ein enorm schwieriges Unterfangen. Stattdessen können Sie zunächst einige Services zu Containern verschieben und den Rest Ihrer Anwendung unverändert lassen. Im Laufe der Zeit können Sie dann nach und nach weitere Services verschieben, bis die Anwendung vollständig containerisiert ist. Diese inkrementelle Einführungsstrategie wird als „Strangler-Vorgehensweise“ bezeichnet, da der neue Code langsam dem alten „die Luft nimmt“. Bei einer solchen langsamen, aber stetigen Vorgehensweise haben Ihre IT-Teams zudem ausreichend Zeit, um sich an neue Arbeitsweisen anzupassen.

Die Zukunft im Rechnerbereich

Der Markt für VMs wird wohl nicht über Nacht verschwinden. Zu viele ältere Systeme werden nach wie vor auf dieser Infrastruktur in der Cloud betrieben. Das ändert aber nichts daran, dass Container und serverlose Modelle weitaus flexibler, weniger wartungsintensiv, leichter zu automatisieren und kosteneffizienter sind. Sie sind die Zukunft im Rechnerbereich und Unternehmen sollten den Absprung nicht verpassen.

 

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Über den Verfasser

CTOTolga Tarhan

Als CTO von Rackspace ist Tolga Tarhan für die Bereiche Vision, Innovation und Strategie verantwortlich. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in der erfolgreichen Führung von Produkt- und Entwicklungsteams und als waschechter Technologe mit...

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