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Eine effektive Mitarbeiterführung beginnt und endet beim Menschen

Menschen bilden den Kern der Mitarbeiterführung. Deshalb wird es sich dabei immer um eine komplexe Aufgabe handeln.

Andy Birchall / Rackspace Technology

Menschen bilden den Kern der Mitarbeiterführung. Deshalb wird es sich dabei immer um eine komplexe Aufgabe handeln.Bei Führungsansätzen, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht, geht es in erster Linie darum, ein positives Arbeitsumfeld sowie eine robuste und einheitliche Kultur zu schaffen. Wir befinden uns auf dem Weg in eine immer stärker vernetzte und komplexere Zukunft. Unternehmen, die zögern, natürliche menschliche Verhaltensweisen zu nutzen, können dabei von einer neuen Unternehmensgeneration in den Hintergrund gedrängt werden, die gewillt ist, dies zu tun. Wie aber pflegt man so eine Art von Umfeld und führt Vorgehensweisen und Gewohnheiten ein, die für die Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit und Innovation grundlegend sind? 

Unternehmensabläufe lassen sich optimieren, indem man Mitarbeitern die Gelegenheit bietet, eigene Erfahrungen und Erkenntnisse zur Förderung der Unternehmensziele einzubringen. Dies kann am Beispiel der Southwest Airlines verdeutlicht werden. Das Unternehmen erwirtschaftet regelmäßig gute Gewinne, weil es u. a. seinen Mitarbeitern die Möglichkeit bietet, Probleme selbstständig zu lösen.

Für viele Führungskräfte ist es jedoch immer noch eine Herausforderung, diese vertrauensbasierte Managementstrategie umzusetzen und von tief verankerten Denkweisen vergangener Generationen gänzlich abzulassen. Konkrete Resultate, die über eine festgelegte Aufgabe hinausgehen, wurden von Mitgliedern dieser Generation selten besprochen. Es wurde nie erläutert, wie bestimmte Aufgaben miteinander verknüpft sind und gemeinsam ein differenziertes Service- und Produktangebot bilden. Die Kreativität des Einzelnen wird im Keim erstickt und irgendwann sogar die geistige Fähigkeit, einen Beitrag zum Gesamtergebnis zu leisten. Infolgedessen werden viele Unternehmen immer noch durch veraltete Führungsstile gebremst, die auf der Grundlage von Befehlen und Kontrollen von oben beruhen (auch bekannt als „Command-and-Control“-Leadership). Hierbei wird die Belegschaft in zwei Gruppen aufgeteilt. Während sich die eine Gruppe aus Denkern zusammensetzt, die Entscheidungen treffen (Manager), umfasst die andere die Macher, die diese Entscheidungen ausführen (Mitarbeiter).  

Diese Führungsstile werden schnell übernommen, da sie mit unseren kulturellen Normen übereinstimmen (und allzu oft von Hollywood-Klischees bestätigt werden). Des Weiteren ist die geistige Belastung niedriger. In einer Welt, in der sich Wirtschaftsformen, Technologien und Kulturen über Monate anstatt über Generationen hinweg verändern, führen diese Ansätze jedoch zu gravierenden Beeinträchtigungen. Eine moderne, sich verändernde Welt erfordert Führungspraktiken, die ebenso modern und fortschrittlich sind. Diese Praktiken sollten um den Menschen herum aufgebaut sein. Schließlich bildet der Mensch den Kern eines jeden Problems sowie einer jeden Lösung und Unternehmenschance. 

Um von überholten Strategien abzulassen und einen moderneren Führungsstil anzunehmen, muss der Wandel im Inneren des Unternehmens beginnen. In diesem Beitrag – dem ersten von drei Beiträgen zum Thema „Führen in der modernen Welt“ – gehe ich auf einige der Themen ein, die Sie im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung berücksichtigen sollten. 

Bestimmen Sie, was Mitarbeiterführung für Sie bedeutet 

Bevor Sie die nötigen Schritte einleiten, um Ihre Führungsqualitäten zu steigern, sollten Sie zunächst bestimmen, was Mitarbeiterführung für Sie bedeutet. Worin sehen Sie Ihre Hauptverantwortung als Führungskraft? Vielleicht geht es darum sicherzustellen, dass Ihr Team mit den von der Geschäftsleitung vorgegebenen Strategien auf Kurs bleibt. Oder möchten Sie klare Anweisungen geben, damit Ihr Team genau weiß, welche Maßnahmen zu ergreifen sind?  

Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um die beiden häufigsten Führungsansätze, die ich im Laufe meiner Karriere in der Praxis erlebt habe. Oftmals werden beide Ansätze von ein und derselben Führungskraft verkörpert. Obwohl beide Ansätze vertretbar sind, ist hervorzuheben, dass der Bereich Mitarbeiterführung wesentlich vielfältiger ist und sich nicht nur auf diese zwei Ansätze beschränkt, die für sich genommen sehr begrenzt sind. Während sich der eine auf die Durchsetzung und Ausführung der Unternehmensgrundsätze konzentriert, steht beim anderen das Mikromanagement im Mittelpunkt. Keiner der Ansätze hinterfragt die Gründe oder schenkt den menschlichen Komponenten im System ausreichend Aufmerksamkeit. 

Unabhängig davon, ob Sie eine Führungsposition anstreben oder bereits ein Team leiten, haben Sie sich vielleicht bereits Ihre eigene Meinung über das Ziel der Führung gebildet. Ich bin der Auffassung, dass erfolgreiche Führungskräfte Mitarbeiter zu großen Taten inspirieren. Wenn Sie Ihrem Team nichts als Anweisungen erteilen und es nur „im Zaum halten“, kann es sein Potenzial nicht voll entfalten. Vermutlich wird es sogar zurückgehalten, insofern es sich nicht um Situationen handelt, in denen diese Methoden immer noch relevant sind. 

Helfen Sie Ihrem Team stattdessen, das Ziel Ihres Unternehmens zu verstehen, sowie die Rolle, die das Team hierbei spielt. Aus diesem Grund spielt das Ziel eine so wichtige Rolle in einer erstklassigen Mitarbeiterführung. Wenn die Aufgabe eines Mitarbeiters nicht mit dem Ziel des Unternehmens übereinstimmt, kommt es zu Unstimmigkeiten und Aufspaltungen. Sind die Ziele jedoch aufeinander abgestimmt, kommt es zu Synergien und Zusammenhalt. Wenn Mitarbeiter ermutigt werden, sich im Rahmen der weitgreifenden organisatorischen Ziele weiterzuentwickeln, dauert es meist nicht lange, bis eindrucksvolle Ergebnisse erzielt werden können. 

Unterschätzen Sie nicht die Kraft der Gefühle 

In hoch qualifizierten Berufen in den Bereichen Software-Entwicklung und Engineering werden neue Führungstalente häufig nur anhand ihrer technischen Fähigkeiten bestimmt. Hierbei handelt es sich um eine eindimensionale Sichtweise auf ein breit gefächertes Thema. Diese Sichtweise führt dazu, dass Mitarbeiter ins Management befördert werden, die keine Führungsqualitäten aufweisen. 

Als Führungskraft haben Sie es letztlich mit Menschen zu tun, die wiederum ihre eigenen Komplexitäten, Eigenheiten, Stärken und Schwächen haben. Das bedeutet zwar nicht, dass technische Fähigkeiten keine Rolle in der Führung spielen, aber die soziale und emotionale Intelligenz ist von viel größerer Bedeutung. Auf der Liste der zehn Verhaltensmerkmale großartiger Manager, die in der Google-Studie „Project Oxygen“ ermittelt wurden, stehen technische Fähigkeiten nur an achter Stelle.  

Unterschätzen Sie niemals die Tragweite von Emotionen auf der Führungsebene. Daniel Goleman beschreibt „Emotionale Führung“ als die Fähigkeit, uns zu bewegen und zu inspirieren. Diese Worte spiegeln eine emotionale Verbindung wieder, die von klischeehaften, „traditionellen“ Führungsansätzen in der Regel vermieden wird. Der Aufbau dieser Verbindung ist bei einem modernen, flexiblen Führungsstil unerlässlich. 

Steigern Sie Ihre Selbstwahrnehmung 

Um eine emotional intelligente Führungskraft zu sein, müssen Sie Ihre Stärken und Schwächen kennen und sich mit Menschen umgeben, die diese ausgleichen. Sie müssen zudem kritikfähig sein, abweichenden Meinungen Gehör schenken und eine gewisse Objektivität wahren können. Eines meiner Lieblingsmottos lautet: „Nimm es ernst, aber nimm es nicht persönlich.“ Es ist möglich, kritische Äußerung entgegenzunehmen, ohne dabei in die Defensive zu geraten oder einen unüberlegten Kommentar abzugeben. 

Um solche Fähigkeiten zu entwickeln, ist Selbsterkenntnis entscheidend. Sie müssen wissen, wo Ihre Schwächen liegen und welche Situationen Ihnen Unbehagen bereiten. Denken Sie nicht nur selbst über diese Fragen nach, sondern bitten Sie einen vertrauten Kollegen oder Mentor um ehrliches Feedback. Die Sicht eines anderen offenbart eventuell Muster, die man selbst bisher übersehen haben könnte, oder neue Bereiche, an denen man arbeiten muss.  

Wir alle sollten unsere Bereitschaft für lebenslanges Lernen erhöhen. Der Bereich Mitarbeiterführung ist ein nuancenreicher, komplexer und potenziell unendlicher Pool an Wissen und Erkenntnissen. Die besten Führungskräfte verbringen oft mehr Zeit damit, Fragen zu stellen, als sie zu beantworten. Unabhängig davon, ob Sie Ihre Selbstwahrnehmung erweitern, Ihr Team und seine Bedürfnisse kennenlernen oder Managementtechniken erlernen – der Lernprozess ist besonders für die wachsende Führungskraft nie wirklich abgeschlossen. Dazu gehört auch der richtige Ausgleich zwischen der Bewertung von Ergebnissen und der Verwaltung von Aufgaben.  Sobald Sie anfangen, das Vertrauen im Team aufzubauen – das Thema des nächsten Blogeintrags in dieser Serie –, sind Unvoreingenommenheit und die Lernfähigkeit von entscheidender Bedeutung. 

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Über den Verfasser

Lead Engagement ManagerAndy Birchall

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