Spart der Umstieg auf die Public Cloud wirklich Kosten?

daniellove

Does Moving to the Public Cloud Really Reduce Costs?

Zu den beharrlichsten Mythen rund um die Migration in die Public Cloud zählt die Behauptung, dass das Hosting von Workloads dadurch erheblich billiger würde. Daran mag zwar in bestimmten Fällen etwas Wahres dran sein – die Erfahrung zeigt jedoch, dass bei genauerer Betrachtung einige Vorbehalte angebracht sind.

Bei Kundengesprächen über die Migration von Workloads vom lokalen Server bzw. einer Private-Cloud in die Public Cloud geht es zumeist primär um die Vorteile dieser Umstellung und um die Frage, inwieweit damit den lang- und kurzfristigen Zielen des betreffenden Unternehmens gedient ist.

Bei der Migration in die Public Cloud darf nicht nur die Kostenfrage im Mittelpunkt stehen, denn sie hat vielfältige Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit. Kostensenkungen haben für die meisten Unternehmen sowohl lang- als auch kurzfristig hohe Priorität. Welche Fragen müssen also gestellt werden, um festzustellen, ob bzw. unter welchen Umständen sich durch eine Migration in die Public Cloud Kostenvorteile erzielen lassen?

Sind Ihre Workloads Cloud-fähig?

In einem ersten Schritt sollte eine Bewertung der Umgebungen und Workloads durchgeführt werden, für die eine Migration in die Public Cloud potentiell sinnvoll ist. Dies ist wichtig zur Erhebung der erforderlichen Daten zum Formulieren einer Strategie. Ein Verständnis der funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen der einzelnen Workloads trägt zu einem Gesamtbild ihrer jeweiligen Leistungsfähigkeit in einer Public-Cloud-Umgebung bei.Es besteht nämlich eine erhebliche Diskrepanz zwischen einem einfachen „Lift and Shift“-Umzug in die Public Cloud mit IaaS- bzw. PaaS-Optionen einerseits und einem durchdachten Ansatz auf der Basis einer gründlichen Lückenanalyse andererseits. Im Vorfeld der Migration sollte zunächst ermittelt werden, welcher Zeit-, Arbeits- und Finanzaufwand für die Entwicklung erforderlich wäre, um das Potential der Public-Cloud-Technologie voll auszuschöpfen.

Wie sieht der Weg Ihres Unternehmens in die Cloud aus?

Die Migration in die Public Cloud will gründlich durchdacht und geplant werden. Bei der Vorbereitung und Gestaltung sind vor allem folgende Kernpunkte zu berücksichtigen, die alle maßgeblich über den Erfolg des Plattformwechsels entscheiden: Zielarchitekturen, Entwicklungsaufwand, Migrationsaufgaben. Die einzelnen Schritte müssen sorgfältig überlegt sein.

Die folgende Grafik zeigt die Infrastrukturkosten im Zeitverlauf. Sie veranschaulicht den Übergang, der für die Migration von der aktuellen Plattform zur Zielplattform erforderlich ist. Das Liniendiagramm zeigt einen Anstieg der Gesamtbetriebskosten (TCO) während des Migrationszeitraums. Das liegt an den zusätzlichen Fachkräften, Tools und Dienstleistungen, die zur Bewältigung des Umzugs benötigt werden. Hier wird darauf gehofft, dass der vorübergehende Mehraufwand für Personalkosten, Tools und Dienstleistungen durch erheblich geringere laufende Kosten auf der Zielplattform kompensiert wird und dass ab einem bestimmten Zeitpunkt die niedrigeren Betriebskosten der Plattform zu dauerhaften Einsparungen führen.

Wie sehen Ihre laufenden Supportstrukturen für Ihre Workloads aus?

Im Vergleich zu herkömmlichen Private-Cloud-Umgebungen ist die Public Cloud im Allgemeinen flexibler und es steht ein breiteres Serviceangebot bereit. Dadurch wird eine sehr detaillierte Kostenplanung möglich und es stehen anspruchsvollere Möglichkeiten zur Ressourcenkontrolle zur Verfügung. In der Public Cloud können die Kosten aus dem Ruder laufen, wenn im Zuge der Entwicklung bzw. des Live-Betriebs keine entsprechenden Gegenmaßnahmen integriert werden. Zur Vermeidung unvorhergesehener Kosten empfiehlt es sich etwa, personelle bzw. technische Ressourcen einzusetzen, die in der Lage sind, Änderungen an der Plattform zu erkennen bzw. zu melden.

Ein Beispiel wäre die Änderung der Abrechnungsstruktur für regionale Backup-Sicherungen im September 2019, über die Google sämtliche Plattformkunden informierte. Ein Unternehmen, das dieses Update trotz des hohen Medieninteresses verpasst und nicht entsprechend reagiert hätte, hätte sich ggf. erhebliche zusätzliche Bandbreitenkosten eingehandelt.

Welche Technologiestrategie verfolgt Ihr Unternehmen für die kommenden 5 bis 7 Jahre?

Wenn Sie kurzfristig Kostensenkungen anstreben, visieren Sie vermutlich eine langfristige Optimierung der Betriebsabläufe an. Kosteneinsparungen in der Cloud können durch eine effektive Nutzung von PaaS-Angeboten erzielt werden. Dies bringt jedoch potenzielle Nachteile mit sich, die sich erheblich auf Ihre zukünftige Geschäftstätigkeit auswirken können.

Mit der Festlegung auf ein PaaS-Angebot geht das betreffende Unternehmen in gewissem Maße eine Anbieterbindung ein. Der Umstieg auf eine andere Plattform kann dann zu dem in der obigen Grafik dargestellten Szenario führen. Manche Unternehmen sind mit einem derartigen Lock-iin gut bedient, andere möchten lieber auf Open-Source-Technologien wie Kubernetes umsteigen, die mit minimaler Neuentwicklung und geringen Kosten eine problemlose Migration zwischen Plattformen ermöglichen. An diesem Beispiel zeigt sich, wie eine Betrachtung der langfristigen Unternehmensstrategie die Entscheidung für eine Technologie beeinflussen kann.

Migrationen in die Public Cloud erfordern Investitionen, die häufig im Voraus anfallen. Unternehmen befinden sich aktuell in unterschiedlichen Phasen der Investitionsplanung für den Umstieg auf eine Cloud-Plattform. Manche Unternehmen sind auf ihrer aktuellen Plattform am besten aufgehoben, für andere hingegen empfiehlt sich möglicherweise die Erkundung anderer Optionen zur Erschließung des vollen Potentials der IT. Wir unterstützen Unternehmen in sämtlichen Phasen ihres Wegs in die Cloud.

Wichtig ist, dass Kunden regelmäßige Neubewertungen durchführen. Bei diesen Bewertungen sollte der Schwerpunkt nicht nur auf der Technologie liegen, sondern es sollte auch die Vision des Unternehmens, der Führungsebene und anderer Entscheidungsträger berücksichtigt werden. Auf der Basis dieser Strategie lässt sich dann ein Technologieplan entwickeln, der diese Visionen unterfüttert und ergänzt.

Gut ausgeprägte Supportstrukturen sind für vollständig ausgelagerte IT-Lösungen ebenso unverzichtbar wie für In-House-Modelle. Unternehmen, die die Kontrolle über ihre Cloud-Ressourcen behalten, können Ausgaben kontrollieren und Kostenrisiken minimieren.

IT-Entscheidungen wirken sich auf sämtliche Geschäftsbereiche aus. Diese Auswirkungen werden bei der Planung der Technologiestrategie nicht immer ausreichend berücksichtigt. Die Formulierung einer eindeutigen Vision lässt die entsprechenden Entscheidungskriterien deutlicher und transparenter hervortreten. Aufgrund des breiteren Serviceangebots, des höheren Grades an Flexibilität und der nutzungsgesteuerten Abrechnung erweist sich die Public Cloud als kompliziertes Handlungsumfeld. Eine langfristige strategische Planung ist heute mehr denn je unabdingbare Voraussetzung für die Erschließung des gesamten Potenzials der Public Cloud.

Strategische Planung ist ein breites Thema, das hier nicht ausführlich behandelt werden kann. Fest steht jedoch, dass das Verständnis der langfristigen Ziele eines Unternehmens und der damit verbundenen Grundsätze eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche IT-Roadmap ohne größere Pannen ist.